Ein Porsche - Treffen aus Sicht eines Neulings oder : die Angst des Sharan-Fahrers vor der Kurve
Porsche - Treffen ! Der gemeine Deutsche stellt sich darunter vor: die Hälfte der Teilnehmer sind Chefärzte, die 50% der Gespräche ihrem aktuellen Golfplatz-Handycap widmen. Die andere Hälfte besteht aus Schraubern, die zwar nicht über die Vorschule hinausgekommen sind, aber Begriffe wie “Fuchsfelge”, “Schuhwichsdeckel” sowie “US-Stoßstange” und ähnliches aus dem FF beschreiben, bewerten und diskutieren können.
Dies ist vollkommen - oder fast vollkommen - falsch (das hatte mir aber auch schon mein alter Freund Günter im Vorfeld der Veranstaltung “gesteckt”).
Denn es mag Chefärzte und Schulversager gegeben haben auf dem Treffen (zu Letzteren zähle ich mich fast selber, weswegen ich es konsequenterweise zu Ersteren nicht gebracht habe. Aber gegen beide habe ich rein gar nichts, auch nicht gegen Golf übrigens).
Jedoch: hier auf dem international ausgerichteten Porsche 914-Treffen in Davos gab es nur 914-Fahrer in einem nahezu sozialistischen Sinn, fast wie in einem israelischen Kibbuz der 60er Jahre - alle waren gleich. Aber auch hier gab es welche, die gleicher waren als gleich, zumindest in meinen Augen:. Besitzer von 914er mit besonderer Geschichte (ehemaliger Polizeiwagen aus Nordrheinwestfalen), besonderem Zustand (bei Toni, was selbst mir als Neuling sofort positiv auffiel -”Boah, ist der schön…”, der Sportomatik-914 aus Bayern, dessen aufmerksamer Fahrer mir übrigens später auch die Mindestanforderungen an bayrische Dirndl erläuterte, obwohl selbst “Neubayer“) usw., usw.. Es ist fast schon ein Sakrileg, hier eine Auswahl zu erwähnen, denn alle 914er waren ja irgendwie Unikate. Das merkt man aber auch erst auf solchen (Massen)-Treffen. Hier kann man vergleichen, sieht die Unterschiede.
Überrascht war ich, wie viele Frauen nicht nur als begeisterte Begleiterinnen ihrer „fahrenden“ Männer teilnahmen, sondern sich auch als aktive „Ralley-Fahrerinnen“ outeten. Porsche 914 Fahren ist damit weit davon entfernt, eine testosteron-schwanger, reine Männersache zu sein. Schön zu wissen.
Die Veranstaltung in Davos vom 20. -22.Juni 2008 war eine runde Sache, perfekt organisiert von den Schweizer 914-Clubmitgliedern und demgemäss „gelaufen“ wie ein helvetisches Uhrwerk.
Bei strahlendem Sonnenschein wurden an den zwei Tagen verschiedene Ausfahrten unternommen, dabei einige Pässe „absolviert“, die auch nicht ganz spurlos an den Autos vorbeigingen, insbesondere Kühlungsprobleme traten hin und wieder auf. Was die Streckenführung und Details der Pausen zwischendurch betrifft, verweise ich auf den aussagekräftigen Bericht von Udo Breuer, dem Clubpräsidenten des deutschen 914-Club.
Mich als „Neuschweizer“ begeisterte zwar immer noch die durchfahrene Landschaft im Dreiländereck Schweiz Italien Österreich. Das wirklich Faszinierende war aber für mich das Erlebnis des 914-(Mit)-Fahrens an sich. Ich dachte ja immer, mein alter Freund Günter wäre ein bisschen neben der Rolle, was seine Fahrweise betrifft. Bei den Ausfahrten musste ich jedoch erfahren, dass dies auch auf alle anderen Teilnehmer zutrifft mit Verlaub.
Nun bin ich ja als langjähriger „Enten-Fahrer“ einiges gewöhnt, was Kurven betrifft. Bitte keine Empörung bei diesem Vergleich. Die Geschwindigkeit ist zugegebenermassen mit einem 2 CV etwas geringer, die Strassenlage nicht so ausgeprägt neutral um ehrlich zu sein, ist es eher immer kurz vor dem Umkippen, zumindest optisch betrachtet. Das Faszinosum, lebend aus einer Kurve herausgekommen zu sein, ist jedoch ähnlich.
Zusätzlich fahrerisch verdorben durch jahrelanges Sharan-Fahren dieses Fahrzeug gilt ja auch nicht gerade als ausgesprochen kurvengierig waren für mich die ersten Kilometer der kolonnenmässig ausgeführten Ausfahrt am Samstag eine Aneinanderreihung von massiven Schockerlebnissen. Als alter Frontantriebler hatte ich als 8jähriger Fahranfänger bei meinem Vater noch gelernt: „Vor der Kurve bremsen, in der Kurve gasgeben !“ Als es hier jedoch nach meinem Dafürhalten ein Abbremsen vor der Kurve hätte geben sollen, war da nichts. Weder sah ich rote Bremsleuchten vor mir, noch machte Günter irgendwelche Anstalten seinen rechten Fuss eine Pedale weiter nach links zu bewegen. Die ganze körperliche Anspannung des unbedarften Verfassers dieser Zeilen wurde lediglich dadurch gemildert, dass er erleichtert erkennen konnte, dass der Vordermann nach solchermassen vollbrachter Richtungsänderung sich noch auf der Strasse befand und nicht 300 m weiter tiefer bei Bimmelglocken-tragendem Milchvieh auf einer Weide. Das machte leidlich Hoffnung, dass man als dahinter Fahrender auch ohne Ueberschlag „durchkommen“ würde. Dies traf erstaunlicherweise zu.
So ging es zwei Tage.
Diese Zeilen lassen einen bewährten 914-Fahrer vermutlich nur mitleidig lächeln und ihn daran zweifeln, dass der Verfasser dieses erbärmlichen Konvulats eine halbwegs glückliche Kindheit erfahren hat angesichts dieser lächerlichen Aengstlichkeit im Erwachsenenalter.
Aber gemach: ich hörte auch von erfahrenen 914-Piloten, dass sie bei Renntaxi-Fahrten auf der einen oder anderen Rennstrecke ähnliche Erfahrungen machten wie ich jedoch auf höherem bzw. schnellerem Niveau.
Zurück zur Veranstaltung.
Untergebracht waren die meisten von uns in dem ehemaligen Kurhaus von Davos, des jetzigen Youth-Hostels (absolut empfehlenswert mit einem tollen Ausblick auf Davos und damit leider auch auf manche Bausünden aus der Vergangenheit). Die gemeinsamen Essen dort wie auch unterwegs in verschiedenen Gasthöfen waren hervorragend und liessen viel Raum für gegenseitiges Kennenlernen und gute Gespräche.
Die Abschlussveranstaltung am Samstagabend war ein gelungener Höhepunkt, klug und optimal vorbereitet vom veranstaltenden schweizer 914-Club.
Beim Begrüssungsdrink (in der Schweiz Apero genannt) auf der schönen Terrasse des Hotels Schatzalp wurde durch zwei Alphornbläsern noch einmal musikalisch belegt, dass wir wirklich in der Schweiz sind.
Zum Schluss noch eine Anmerkung ökonomischer Art. Sollte man nicht für zukünftige Veranstaltungen den Hersteller von Sidolin aus Düsseldorf dazu überreden solche und andere Veranstaltungen zu sponsorn. Fast immer wurden bei den längeren Stopps die Reinigungsflaschen aus den Kofferräumen gefischt und die somit besprühten Scheiben klargewienert. Was zugegebenermassen aber auch nötig war bei den teilweise unbefestigten Strassenabschnitten. So manche Begleiterin hat sich wohl insgeheim gewünscht, dass die derart engagierten Männer ihren „Reinlichkeitswahn“ auch zu Hause ausleben würden.
Fazit meiner Teilnahme an dieser tollen Veranstaltung: sollte Günter mich irgendwann noch einmal fragen, ob ich ihn als Beifahrer wieder einmal begleiten würde ich würde „JA“ sagen ( und vorher noch mal zum Arzt gehen).
Thomas Kert
