9. legendäre Herbstausfahrt 27.10 07
„3 Länder auf 1 Tour“
Der „wilde Süden“ unseres Clubs hatte wieder die Organisation fest im Griff - und überzeugte über 30 gemeldete Teilnehmer.
In diesem Jahr wurde der Treffpunkt in (St.) Martins Scheune in der Kirchenstraße gewählt, wo es in Herrgottsfrühe mit einer kräftigen Tasse Kaffee & Griesinger-Hefezopf zur Begrüßung losging. Der Start wurde in Richtung Rheinland-Pfalz zum „Doktorenhof“ in Venningen angetreten.
Dort erwartete uns die „Zeit für saure Sinnlichkeit ...“, denn der Doktorenhof ist ein alt eingesessenes Familienunternehmen, dass sich als Weinessiggut bezeichnet und der Tradition folgt. Die eigens für unseren Club durchgeführte Besichtigung hatte dann eins gemein: Essig, der wohl mit älteste Begleiter der Menschheit, galt seit jeher als unabdingbare Würze und wohlbefindliches Elixier. Auf dem Doktorenhof fühlt man sich dem Altvertrauten verpflichtet und zur gesunden Ernährung hingezogen. Allerbeste Grundweine werden aus den eigenen Weinbergen hierzu genutzt, und bilden die Essenzen - die Basis rund um den Essig.
Bei einer Führung durch das Allerheiligste, historisch bedingt in schwarzen Kutten, durch die Katakomben, vorbei an großen unzähligen Essigfässern, beleuchtet nur durch Kerzenschein. Begleitet von sakralen Gesängen, war es St. Martin oder aber St. Denis, eindeutig war dies nicht zuzuordnen. Ein Hauch von „Im Namen der Rose“ oder aber „Das Parfüm“ schienen hier Pate gestanden zu haben. Abschließend und am Ausgang der Katakomben hatten wir es auch noch mit einem um Almosen bettelnden Weib aus Karlsruhe zu tun. Im weiteren wurde uns auch die Belieferung in die weltweiten noch existierenden Königshäuser etc. mit Stolz übermittelt. Wir genossen die Atmosphäre rund um die Erklärungen zum Thema. Über ein mundgeblasenes Essigdegustationsglas, eigens entworfen für Aperitif -und Digestifessige wurde uns der kleine Kelch unter dem „bewussten Genießen“ gereicht.
Wir probierten vom „Ficus - die Feige“ bis hin zum „Engel küssen die Nacht“ begleitet von Essigpralinen, und haben somit einen Einblick in die Kunst des unnachahmlichen Aromas bekommen. Immer wieder wurde uns der lange Stiel des Glases gereicht um den Essig langsam und bewusst auf die Zungenspitze gleiten zu lassen. Nicht zu viel! Nur ein, zwei Tröpfchen genügen, um gemächlich den Zungenrand zu benetzen. Versüßt wurde uns unterdessen die Zeit mit Giacomo Casanova sowie Kleopatra und den Anekdoten „Tränen der Kleopatra“, die wie es hieß Ihre echten Perlen in Essig auflöste, um sie anschließen zu trinken. Nachdem wir die aromatische Verführung als Zwischengang zelebrieren durften, und das sensibilisieren unserer Geschmacksnerven erkannt hatten, wirkte sich die Laune auf das bevorstehende Mahl, bereits stimulierend auf den Magen - und schafft Freiraum für den eigentlichen Hauptgang. Einige nutzten noch den Pavillon im Hof um sich zu reinigen, sprich den Essig zu inhalieren. So wurde uns dies Vermittelt, und wer noch weitere Fragen haben sollte, oder aber die Übermittlung nicht so richtig verstanden hat, der sollte den Doktorenhof einmal selber aufsuchen.
Vom Essig gereinigt verlief die Tour in Richtung St. Martin durch kleine Weindörfer und herrlich herbstlich gefärbte Weinberghängen, vorbei an freundlich winkenden Passanten über die südliche Weinstrasse bis hin zur Burgschänke mit einem traumhaften Ausblick über die Pfalz. Den bereits angesprochen Hauptgang konnten wir nun zu uns nehmen. Weiter ging es nun auf der „Deutschen Alleenstrasse“ in den Elsass nach Weißenburg / Wissembourg, die traurige Geschichte hierum lehrte uns sowohl das eine, als auch das andere. Wir erreichten nun unseren weiteren Höhepunkt der Ausfahrt, denn mit „Festung / Fort de Schoenenbourg“ traten wir eine Besichtigung einer unterirdischen Festungswelt an. Hinter den Gittertoren und den Panzertüren des Eingangsbunkers befindet sich eine Treppe die 30 m tief unter die Erdoberfläche führt.
Die verschiedenen Stollen führen dann zu erstaunlichen Einrichtungen.
Eine eigene funktionierende Welt von Küche, einem Elektrizitätswerk, einer Belüftungsstation, eine Kaserne, eine Krankenstation, einem 1200 m langem Hauptstollen, einen Hauptbefehlsstand, einem Kampfbunker mit Panzerturm und seinen 7,5 cm Kanonen. Auch historische Aufnahmen der Angriffswelle, die sich in Ausstellungen aufgezeigt. Die Festung wurde 1940 heftig von deutschen schweren Artillerie angegriffen. Die Panzertürme mit ihren 7,5 cm Kanonen von Block 3 und 4 erwiderten seinerzeit das Feuer. Unzählige Granaten wurden abgefeuert, um die Festung zu verteidigen. Selbst der Einsatz von 42 cm Skoda-Mörser von deutscher Seite her kamen zu Einsatz, und die 55 betonbrechenden 1100 kg schweren Geschosse ließen das ganze Bauwerk erzittern und drangen bis zu 10 m ins Erdreich ein, um dann eine entsprechende Zerstörung hervorzurufen - aber die Festung hielt.
Später wurde dann festgestellt, dass sich die Festung - bedingt durch den schweren Einsatz dieser betonbrechenden Bomben - um 5 cm abgesenkt hatte.
Interessant wurden uns unter anderem die Notausgänge mit ihrem ausgeklügelten System erklärt. Der Herr der uns durch die Führung begleitete, ist bereits seit 25 Jahren ehrenamtlich im Verein der Freunde der Maginot-Linie tätig, und hatte eine Menge an Anekdoten zu erzählen.
Ach, im übrigen die damalige Besatzung ergab sich aber erst nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstandes auf Befehl des französischen Oberkommandos.
Die Festung steht im übrigen unter Denkmalschutz und ist vollständig im originalen Zustand. Abschließend bleibt uns der Rundgang von 2500 m sicherlich noch lange in Erinnerung.
Nach dem Hauptgang fuhren wir nach Freistett, um im Restaurant „Zum Waldhorn“ dann den letzten Gang einzunehmen bevor es wieder Richtung Heimat ging.
Alles war wieder bestens von Martin & Denis organisiert und wir möchten den beiden recht herzlich für einen gelungenen Tag in südlich gelegener Region mit seinen Besonderheiten danken - und freuen uns bereits auf die 10. legendäre Herbstausfahrt in 2008. Alles Gute bis dahin.
Udo Breuer
