Hartmut Uebbing berichtet ...

Anlässlich der letzten Techno Classica besuchte ich mit meiner Frau den Stand des 914 Club Deutschland und wir unterhielten uns mit Herrn Breuer angeregt über den VW-Porsche 914. Da ich in den 70-er Jahren selber einen 914-2,0 fuhr, war für mich die Unterhaltung äusserst anregend. Ich schwelgte förmlich in Erinnerungen. Das waren noch Zeiten. Ich war gut Mitte 20 und alles war irgendwie einfach... .

Sie baten mich, soweit noch vorhanden, um Fotos meines 914 und um Erlebnis-Episoden aus der Zeit. Dieser Bitte entspreche ich gerne und sende Ihnen das was ich an Fotos noch gefunden habe. Mit dem 914 verbinde ich Erinnerungen an die ich gerne denke. Es war eine tolle Zeit. Eigentlich wollte ich damals eine feurige Italienerin haben. Die Giulia von Alfa Romeo. Mein Vater beschied mir aber knallhart: „Der Wagen ist hässlich und ein Italiener kommt mir nicht auf die Auffahrt. Wage nicht so ein Auto zu kaufen, der parkt draussen!“. Ich studierte damals und arbeitete zum Wochenende im elterlichen Betrieb. Mein Vater tolerierte meine Autoverrücktheit. Ich fuhr, als ich mich mit den oben genannten Überlegungen beschäftigte, einen Ford Escort RS 2000, Mk1,
in Maßen. Aber ein Alfa war irgendwie zu viel für ihn. Nun gab es damals innerhalb meines Freundeskreises einen regelrechten 914-Hype. Plötzlich hatte fast jeder einen. Also kaufte ich mir auch einen. Gebraucht natürlich, weil Student, für glaub ich 5.500,00 DM. Auch mein Vater war mit meiner Wahl einverstanden und der Familienfrieden blieb gewahrt. Mein 914 machte mir richtig viel Spass und ich vergass die Italienerin.

Episode 1
Schon kurz nach dem Kauf konnte ich erleben, wie toll das Fahrwerk war. Ich musste immer vom Niederrhein nach AC. Ich fuhr ab Neuss- West auf der 46 bzw. ab Kreuz Holz dann auf der 44. Damals war die Strecke noch unbeschränkt befahrbar. Ich kam vom Kreuz Neuss-West und hatte so ungefähr 140-160 Km/h drauf. Von hinten lief eine damalige S- Klasse auf, schon immer meine besonderen Freunde. Wie damals üblich, Lichthupe schon aus mind. 2 Km Abstand und freie Fahrt fordernd. Ich schaltete runter in den 4. und gab Vollgas. Das Kreuz Holz war nicht mehr weit und ich vertraute auf die Straßenlage meines 914. Der Benz lief auf und machte Riesentheater. Ich blieb links und da war auch der Beginn der langgezogenen Kurve. Mein 914 hielt die Spur, aber der Benz kam mit dem Hinterteil raus. Das alles bei Vollgas, 200 Km/h. Ich flog förmlich durch's Kreuz Holz. Kaum waren wir durch und die Strasse wurde wieder gerade schob sich der Benz ran und ich musste die Spur räumen. Aber den Spass den ich damals hatte, den werde ich wohl nie vergessen. Der Benzfahrer wohl auch nicht. Als er vorbeizog war Verärgerung zu sehen. Irgendwie war es an diesem Tag wohl nicht so mit der eingebauten Vorfahrt gelaufen, wie er es gewohnt war.

Episode 2
Ich hatte gerade ATS-Felgen ergattert. Mit Porsche Bereifung 185/70-15. Die füllten die hinteren Radhäuser komplett. Nur mein kleiner Finger ging noch zwischen Blech und Reifen. Da ich in Aachen studierte bin ich zwecks Einkauf oft über die Grenze ins benachbarte Vaals gefahren. Eines Tages, ich war gerade mal wieder zum Einkaufen rübergefahren, winkte mich bei der Rückfahrt nach Deutschland ein deutscher Zöllner raus und fing an, meinen 914 akribisch zu untersuchen. Er liess sich die Papiere aushändigen und untersuchte den Wagen genauer als eine Verkehrsstreife. Ich fragte den Zöllner, was er der genau suche. Er drehte sich zu mir um und sagte dann: „Ich habe auch einen, aber den kleinen. Wo haben Sie die Reifen her?- Das DIE passen!“. Wir unterhielten uns angeregt über unsere 914 und zum Schluss wünschte er mir gute Fahrt.

Episode 3
Eines Sonntags, ich fuhr immer noch vom Niederrhein Richtung Aachen, fuhr ich über Duisburg-Kaiserberg. Ich fuhr an diesem Tag äußerst gesittet. Fädelte mich frühzeitig ein, fuhr rechts und dann, kurz vor der Brücke geschah es. Ein Reisebus hatte mich übersehen und drängte mich in die Leitplanken. Mein geliebter 914 überlebte das Ganze mit schweren Schäden an der rechten Flanke. Ich erhielt zwar im anschliessenden Prozess Recht und wurde entschädigt, aber mein 914 war platt. Ich legte mir den grossen Bruder zu. Nein - keinen 914-6, ich wollte einen richtigen 911. Das gelang mir dann auch. Ich kaufte mir ein 911 Coupe 2,4 S. Damals waren solche Fahrzeuge noch bezahlbar. Einen 911 targa mit 2,4 E Maschine gab es für ca. 12.000,00 DM und und auch mein 2,4-er war vergleichsweise günstig. Ich rede hier von den E- und F- Modellen. Also die Baureihe vor der berühmten G-Serie (Faltenbalgstoss-Stangen). Aber das ist eine andere Geschichte. 2005 kaufte ich mir dann doch endlich einen Alfa Romeo. Die Giulia. Schauen Sie sich das Foto an, kein 914 aber doch ein Kind der 60-er und 70-er. Bei der Suche nach meiner Giulia fand ich auch einen 914. Ich nahm noch mal probeweise Platz und es war fast wie damals. Trotzdem entschied ich mich am Ende für die Giulia und habe es bis heute nicht bereut.
Text und Bilder: Hartmut H. Uebbing