VW-Porsche 914 Deutschland Club e.V.

Bericht des '100 Jahre Solitude' Revivals Juli 2003

(Die Bilder können durch anklicken vergrößert angezeigt werden)

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Mythos Solitude – 100 Jahre Solitude-Rennstrecke am 25. / 27.07.2003

Welches „Stuttgarter Kind“ kennt nicht die Geschichten von den legendären Solitude-Rennen zur Jugendzeit unserer Eltern - sei es der VW-Käfer, der bei der Heimfahrt nach durchfeierter Nacht aus Versehen auf der abgesperrten Rennstrecke gelandet ist oder die Tochter, die jedes Jahr von ihrem Vater in der Mittagspause zu den Trainingsläufen mitgenommen wurde. Eltern, die mit ihren Kindern (unseren Eltern) morgens um 4.00 Uhr aufgestanden sind um rechtzeitig - oft bei Regen - an der Strecke zu stehen oder die langen Wege, die man zu Fuß durch den Solitudewald zurücklegen mußte um überhaupt an die Rennstrecke zu kommen. Jedes Mal wenn man als Kind mit seinen Eltern rund um Schloß Solitude unterwegs war oder am Start- und Zielhäusle vorbeigefahren ist, hieß es: das ist die Rennstrecke von damals ... das waren Zeiten! Selbst bei Wegbeschreibungen heißt es heute immer noch, da müssen Sie die alte Rennstrecke entlang fahren ...“

Nun sollte also der Mythos Solitude für ein Wochenende wieder zum Leben erweckt werden.

Wir waren alle sehr gespannt. Rennfahrergrößen von damals wie Hans Hermann, Dan Gurney, Eberhard Mahle, Giacomo Agostini oder Richard Attwood sollten nochmals in ihre alten originalen Rennfahrzeuge steigen und auf einem ca. 4 km langen Rundkurs, der teilweise schon 1925 und 1931 befahren wurde, so richtig Gas geben.

Die Solitude-Rennen fanden nie auf einer eigens hierfür gebauten Rennstrecke statt. Immer wurden normale Straßen für das Rennen abgesperrt – sowohl damals als auch heute. Die Strecke lag großenteils in einem Waldstück. Mittelpunkt in den ganz frühen Jahren bildete das Schloß Solitude, von dem man einen wunderbaren Ausblick hatte. Später – als die Strecke erweitert wurde, wurde das Ziel- und Start-Häusle und Extra-Boxengassen gebaut – die noch heute existieren.

Voller Spannung sind wir am Sonntag morgen um 7.00 Uhr aufgestanden um möglichst früh an der Rennstrecke zu sein – denn um 9.00 Uhr sollten die ersten Rennen gestartet werden.

Unser erster Gang war zum Fahrerlager, das nach historischem Vorbild rund um das Schloß Solitude aufgebaut war. In den einzelnen Zelten waren immer jeweils 4-5 Fahrzeuge untergebracht. Hier wurden dann auch - unter den Augen vieler Neugieriger - Reifen gewechselt, Zündkerzen getauscht, Motoren optimiert und inspiziert. Viele der Fahrzeuge waren bereits zu ihrer Zeit auf dieser Rennstrecke gestartet. Einige wurden sogar eigens aus Amerika oder England nach Stuttgart gebracht. Heute also sollten sie noch einmal „auf der Solitude“ an den Start gehen.

Gestartet wurde in 7 unterschiedlichen Klassen in 2-3 Läufen:

  • Legendäre Solitude-Rennmotorräder ab 1903
  • Vorkriegsautomobile 1922-1939
  • Mercedes-Porsche-Challenge (300 SL gegen Porsche 356)
  • Lauf der legendären Motorradrennfahrer (Fahrzeuge ab 1949)
  • Sport-GT- und Tourenwagen 1949-1965
  • Formel-Rennwagen 1949-1965
  • Matadorenlauf-Rennwagen nach Auswahl des Veranstalters
    (hier startete u.a. auch ein VW-Porsche 914/6 GT)

Von irgendwoher hörte man immer das Geräusch laufender Motoren – meistens kamen diese glücklich machenden Geräusche direkt von der Rennstrecke oder aus dem Bereich des „Vorstarts“.

In diesem Bereich mußten alle Fahrzeuge, die in der kommenden Runde starten sollten Aufstellung nehmen bevor die Rennstrecke wieder freigegeben wurde. Hier drängten sich die Zuschauer – egal ob klein oder groß, alt oder jung – um die einzelnen Rennfahrzeuge und die jeweiligen Fahrer. Rennfahrerlegenden gaben bereitwillig Autogramme und unendlich viele Erinnerungsfotos wurden geschossen. In dieser Umgebung wurde bei der Generation unserer Eltern wieder Erinnerungen an die großen Rennen ihrer Jugendzeit geweckt, so auch bei meinem Vater, der uns an diesem Tag immer wieder Einzelheiten von damals erzählte.

Beim Bummel durchs Fahrerlager hatten wir auch einen VW-Porsche 914/6 GT gesichtet, der im Matadorenlauf starten sollte. Hier waren wir natürlich sehr gespannt.

Nachdem wir uns einen Überblick über die Fahrzeuge verschafft hatten, sind wir zur Rennstrecke gepilgert, direkt unter dem Schloß lag die Start- und Zielgerade – dahinter ein wunderbarer Blick auf Stuttgart – genau der richtige Platz! Jetzt konnten die Rennen beginnen.

Bereits beim zweiten Rennen gab es erste Ausfälle, denn ein LOLA-Formel-Rennwagen kam von der Strecke ab und zerschellte an der Steckenbefestigung – dem Fahrer passierte zum Glück nichts, er konnte auf einem anderen Fahrzeug in einem späteren Rennen wieder neu starten. Schade um den schönen alten Rennwagen!

Nichts desto trotz sausten die einzelnen Fahrzeuge an uns vorbei, immer darauf bedacht die richtige Rundenzeit zu fahren. Kaum war ein Rennen vorbei, hörte man am „Vorstart“ bereits die nächsten Motoren aufheulen.

Nachmittags begann es zu Regnen, leider hörte es auch nicht mehr richtig auf. Aber wir „Jungen“ wurden von den alten Hasen aufgeklärt, „... daß das immer schon so gewesen sei“ – mein Vater kann sich kaum an ein Rennen erinnern, bei dem es nicht mal geregnet hätte. Also, was soll‘s - Regen scheint „zur Solitude“ dazu zu gehören. Wir stellten uns also zu Fünft unter zwei kleine Regenschirme, wurden immer nasser, aber folgten weiterhin völlig begeistert dem Renngeschehen. Den Rennfahrern ging es schließlich auch nicht besser. In ihren offenen Rennfahrzeugen mit Regenschirmen versehen, warteten sie am Vorstart auf Ihre Startfreigabe. Selbst ein Hans Hermann im legendären Silberpfeil verzog keine Miene und gab bereitwillig – bei strömenden Regen – Autogramme.

Die trotz Regen noch ausharrenden Zuschauer wurden auch weiterhin durch spannende und - für eine nasse Fahrbahn - noch ziemlich schnelle Rennen belohnt.

Es war eine tolle Veranstaltung, die dem Mythos Solitude mehr als gerecht geworden ist. Man ist fast ein bißchen neidisch auf unsere Eltern, die das alles damals live miterleben durften. (pw)

Weitere Info's unter: http://www.solitude-rennen.de